Dr. med. Rainer Gollhausen, Hautarzt in Dachau
Adresse: Gröbenrieder Str. 6a, 85221 Dachau


Venenheilkunde: Einführung

Venenleiden beginnen ganz harmlos, werden aber unbehandelt zum großen Problem. Müde und schwere Beine am Abend sind häufig die ersten Anzeichen.


Welche Aufgabe erfüllen die Venen?

Während die Arterien das Blut mit seinen Nährstoffen vom Herzen in die Peripherie leiten, müssen die Venen das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen bringen. Dabei wird das Blut meist entgegen der Schwerkraft nach oben transportiert. Damit es beim Stehen nicht zurückfallen kann, haben gesunde größere Venen innen Venenklappen, die das Blut bloß in eine Richtung fließen lassen, Rückschlagventilen vergleichbar.

Was bedeutet eine Veneninsuffizienz?

Venöse Beinleiden entstehen meist auf dem Boden einer ererbten Anlage zur Bindegewebsschwäche, aber auch nach Verletzungen oder Venenverschlüssen. Hinzu kommt, dass sich durch vorwiegend sitzende oder stehende Tätigkeit das venöse Blut in den Beinen sammelt. Bei insuffizienten Venenklappen drückt das Blut der Schwerkraft gehorchend nach unten.
Außen liegende Venen können sich ausbeulen, die Erkrankung der inneren Venen ist nicht direkt sichtbar. Im Lauf des Tages schwillt das Bein an, über Nacht verschwindet das Ödem durch die Entlastung der hochgelegten Beine. Der täglich wiederholte Druck belastet die benachbarten, bisher gesunden venösen Gefäße und das umgebende Gewebe. Immer mehr Beinvenen werden geschädigt, Schmerzen und Krämpfe treten auf, Wasser sammelt sich an, das Bein wird schwerer und dicker, es kommt zu Hautausschlägen bis zur offenen Wunde, das Risiko einer Venenentzündung, einer Thrombose oder gar Lungenembolie steigt. Verschiedene Stadien einer chronischen Veneninsuffizenz CVI entstehen.
Damit keine Folgeschäden entstehen, sollte bei Beinbeschwerden möglichst früh eine Vorstellung beim Arzt (Venenärzte werden Phlebologen genannt) erfolgen.

Wann kommt es zur Thrombose?

Wenn das Blut langsam strömt, verdickt ist (Flüssigkeitsmangel!) oder beschädigte Gefäßwandabschnitte berührt, kommt es leicht zur Thrombose, also zu Blutgerinnsel in der Vene. Wenn sich diese lösen und mit dem Blutfluss zur Lunge kommen, können sie dort Gefäße verstopfen, die sog. Lungenembolie ist entstanden.

Wie kann ich einer Veneninsuffizienz bzw. einer Thrombose vorbeugen bzw. diese günstig beeinflussen?

Schlecht für die Venen ist jeder Bewegungsmangel, da das Herz nicht allein für den venösen Rückfluss sorgen kann. Deshalb wird die Bewegung der Wadenmuskulatur manchmal das "2. Herz für die Venen" genannt. Hohe Absätze vermindern die Bewegung im großen Fußgelenk: die Wadenmuskulatur wird belastet, ohne dabei die Venen leerzupumpen.
Gut ist Ausgleichsport mit Bewegung der Beine, also v.a. Wandern, Schwimmen, Laufen, Skilanglauf. Beim Radfahren sollte nicht nur die Oberschenkel-, sondern auch die Wadenmuskulatur eingesetzt werden. Achten Sie auf gleichmäßige unbeschwerte Atmung ohne Pressen. Nach dem Sport sollten Sie die Beine ausstrecken und hochlagern, nicht sitzen mit Behinderung des venösen Rückflusses. Streckgymnastik, Übungen auf dem Rücken mit erhobenen Beinen ("Radfahren im Liegen") sind zu empfehlen. Gehen Sie täglich spazieren! Selbst wenn Sie bettlägerig sind, viel sitzen oder stehen müssen, bewegen Sie so oft wie möglich Ihre Fußgelenke (Kreisen, auf und ab), um mittels der Wadenmuskelpumpe das Blut in Schwung zu halten. Kneipp´sche Wechselbäder und Wassertreten stärken die Spannkraft der Venen.
Auch über die Atmung wird der venöse Blutstrom beeinflusst. Pressatmung (z.B. beim Heben von schweren Lasten oder beim Sport) sollte vermieden werden, da dadurch der Druck auf das Venensystem massiv erhöht wird. Hin und wieder einige tiefe Atemzüge bringen den Kreislauf in Schwung.
Übergewicht belastet die Venen stark. Rauchen, hohe Blutfettwerte und andere Stoffwechselerkrankungen sind ebenfalls schädlich. Schwangerschaften, im geringem Maß auch Anti-Baby-Pillen v.a. mit hohem Östrogen-Anteil beanspruchen das Venensystem. Wärme aller Art (z.B. Autoheizung, Wannenbäder) fördert Venenstauung, ebenso lange Sonnenbäder. Alle Behinderungen des freien venösen Strömungsverlaufes sind ungünstig, so z.B. durch starkes Abknicken in Leiste und Knien wie beim Hocken, Knien oder Sitzen, durch falsche Sitzmöbel oder durch beengende Bekleidungsstücke wie einschnürende Strümpfe.
Jede Art von Überbeanspruchung, so schon eine lange Fahrt ohne Bewegungspausen – egal ob im Auto, Bus, Zug oder Flugzeug –, und natürlich erst recht Verletzungen können bei entsprechender Veranlagung zu einer akuten Venenschädigung mit Entzündung und Thrombose führen!

Wie behandle ich einen erhöhten Venendruck, ein venös bedingtes offenes Bein?

Die besten Mittel gegen die Folgen des krankhaft erhöhten Venendruckes sind Betätigung der Wadenmuskelpumpe und ein kompensatorischer Druck von außen, der durch einen Kompressionsverband oder durch einen medizinischen Kompressionsstrumpf erzeugt wird. Die Kompression ist dabei am höchsten im Fesselbereich und nimmt nach oben stetig ab. Die Kompression sollte morgens bei erholten, unbelasteten Beinen noch im Liegen angelegt werden. Auch zur Abheilung des offenen Beines sind Bewegung und Kompression am wichtigsten. Wundauflagen, Salben etc. führen erst in zweiter Linie zum Erfolg. Häufig entsteht bei unsachgemäßer Salbenbehandlung eine komplizierende Kontaktallergie.

Müssen Varizen operiert werden?

Krankhaft veränderte Venen, die nur noch das Bein belasten, sollten nach Möglichkeit entfernt werden. Die ursächliche Anlage zur Bindegewebsschwäche und Venenerkrankungen kann nur durch venengerechtes Verhalten kompensiert werden.


Allgemein gilt:

LIEGEN, LAUFEN: LOBENSWERT!
SITZEN, STEHEN: SCHLECHT!


Mit einfachen Untersuchungsmethoden ohne Röntgenbelastung, d.h. durch bidirektionale Dopplersonographische Untersuchung und Lichtreflexionsrheographie, können wir in unserer Praxis wichtige Aussagen über Ihr Venensystem machen.

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