Dr. med. Rainer Gollhausen, Hautarzt in Dachau
Adresse: Gröbenrieder Str. 6a, 85221 Dachau


Arbeitsgemeinschaft Dermatologische PräventionAchtung Sonne / Solarium!

Ein bösartiger Tumor, ein Krebs, entsteht auf Grund zahlreicher unterschiedlicher, bisher noch nicht völlig geklärter Faktoren. Diese sind zum Teil beeinflußbar (ballaststoffreiche Kost, Meiden von Nikotin), zum Teil nicht (Vererbung, Anlage).

Ein wesentlicher Beitrag, den jeder zur Vermeidung von Hautkrebsentstehung beitragen kann, ist der vernünftige Umgang mit der Sonne. Ohne Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde, sie wirkt antriebssteigernd sowie stimmungsaufhellend und wird auch zu therapeutischen Zwecken genutzt. Übermäßige Sonnenbestrahlung aber beschleunigt die Hautalterung und erhöht das Hautkrebsrisiko.

Die heutzutage begehrte Sonnenbräunung ist ein Schutzmechanismus (!) der Haut vor zuviel Sonnenstrahlen, der nicht überbeansprucht werden darf! Vor allem in jungen Jahren ist die Haut besonders lichtempfindlich. Ein Sonnenbrand heilt zwar oft – äußerlich gesehen – folgenlos ab, doch können unsichtbare Schäden bleiben und sich bei Wiederholung verstärken! Es wird behauptet, dass 80% aller Lichtschäden der Haut in den ersten 20 Lebensjahren gesetzt werden! Die Auswirkungen, darunter auch die sogenannten "Altersflecken", treten oft erst später auf!

Die Sonne strahlt um so intensiver, je steiler sie am Himmel steht. Entsprechend verkürzt sich der Körperschatten. Daher kann man als Merkregel nehmen: Sobald die Sonne steiler als 45 Grad am Himmel steht, d.h. sobald der Körperschatten kürzer als die Körperlänge wird, ist Sonnenschutz nötig. Dabei ist es egal, ob man genüßlich ein Sonnenbad nimmt oder in der Sonne arbeitet, wandert, schwimmt etc.! Im Gebirge und am Meer wirkt die Sonne stärker. Pro 1000 Höhenmeter ist die Strahlung um 15 - 20% intensiver.

Am besten – nicht nur für Babys – ist die schattengebende Abschirmung von Sonnenlicht. Diese erfolgt z.B. über Gebäude, Dächer, Sonnenschirme, Hut, Kleidung, Sonnenbrille und einige Lichtschutzcremes, die statt chemischer Filter schattengebende feinverteilte Mikropartikel enthalten und damit geeignet sind für die empfindliche Haut von Säuglingen und für Menschen mit Allergien auf Lichtschutzfilter.

Die UV-abschwächende Wirkung von Wolken, Wasser, schattengebenden Gegenständen (Sonnenschirm etc.) und Kleidung wird oft überschätzt: so kann ein nasses T-Shirt je nach Material und Verarbeitung nur einen Lichtschutzfaktor (LSF) von 3 bis 5, Bäume oder Sonnenschirme sogar einen LSF von nur 2 haben. Eine dünne Wolkendecke läßt 80%, 1 m Wassertiefe 65% der UVB-Strahlen durch. Die Verstärkung des Sonnenlichtes durch Streustrahlung über hellen Gegenständen wie weiße Häuser, Schnee, Sand, Wasser etc. wird dagegen oft unterschätzt. Schnee reflektiert 70% der UVB-Strahlen. Je heller ein Schatten, um so geringer ist seine Schutzwirkung.

Sonnenschutzpräparate mit chemischen Filtern vermindern nicht das gesamte Strahlungsspektrum, sondern halten nur bestimmte Anteile des UV-Lichtes zurück, meist v.a. das sonnenbranderzeugende UV-B und viel weniger das tiefer in die Haut eindringende, die Hautalterung beschleunigende UV-A. Sie sollten eine halbe Stunde vor der Sonnenexposition aufgetragen werden.

Erfahrungsgemäß werden beim Eincremen oft spezielle Hautstellen wie Ohren, Nacken, Kopfhaut, Füße vergessen, die dann ungeschützt bleiben. Für die Kopfhaut bleibt bei etwas lichterem Haarkleid meist nur eine Kopfbedeckung (Hut) als Schutzmöglichkeit, für die Augen eine gute Sonnenbrille.

Der angegebene Lichtschutzfaktor (LSF) bezieht sich fast immer nur auf das UV-B. Der LSF gibt den Faktor an, um den sich die Zeit verlängert, die zum Auslösen eines Sonnenbrandes nötig ist. Bekommt z.B. eine blasse Haut in der prallen Mittagssonne nach 5 Minuten die für einen Sonnenbrand ausreichende Lichtdosis, so erhöht sich diese Zeitspanne bei richtiger (!) Anwendung einer Creme mit LSF 20 um das Zwanzigfache (bei LSF 3 um das Dreifache, bei LSF 4 um das Vierfache usw.), in diesem Falle also auf 1 Stunde und 40 Minuten. Mehrmaliges Auftragen verlängert diesen Zeitraum nicht, kann aber je nach Präparat und eigenem Verhalten zur optimalen Schutzwirkung nötig sein. I.d.R. ist ein LSF von 16 bis 25 ausreichend. Selbst sogenannte wasserfeste Zubereitungen verlieren durch Wasser, Abrieb, Abtrocknen, Schwitzen etc. entscheidend an Wirksamkeit und müssen deshalb regelmäßig erneuert werden (mindestens nach jedem Abtrocknen und sonst nach 1,5 bis 2 Stunden). Am dauerhaftesten bleiben auf der Haut spezielle liposomenhaltige Lichtschutzlotionen, die nur ein- bis zweimal pro Tag aufgetragen werden müssen.

Jedes Lichtschutzpräparat ist nur ein relativer Schutz. Hautärzte empfehlen, höchstens zwei Drittel der Zeit in der Sonne zu bleiben, die zum Auslösen eines Sonnenbrandes nötig ist. Da die chemischen Lichtschutzfilter nur bestimmte Anteile des Sonnenlichtes abschwächen, besteht durchaus die Möglichkeit, dass die verbleibende Strahlung sich nachteilig auswirkt! Auch ohne Auftreten von akuten Sonnenschäden kann es durch zuviel Sonnenlicht zu bleibenden Hautschäden kommen! Hautbräunung ist primär eine Schutzreaktion der Haut vor Sonne!

Da Lichtschutzmittel auch Allergien hervorrufen können, sollten sie nur bei Bedarf und wiederum nicht zu hoch konzentriert angewandt werden.

Wußten Sie schon?

Kortison und Sonne haben drei vergleichbare Eigenschaften:

  • Beide sind lebensnotwendig!
    Wir sterben ohne Sonne, ohne Kortison (das unser Körper ständig produziert!).

  • Beide können zur Therapie eingesetzt werden:
    Kortikoidpräparate werden nicht nur in der Dermatologie und Allergologie mit großem Erfolg eingesetzt.
    Künstliche oder natürliche Sonnenlichttherapie wird ebenfalls in vielen medizinischen Gebieten eingesetzt, v.a. in der Dermatologie, aber auch in der Behandlung von Depressionen etc. Eventuell liegt der weiten Akzeptanz von Solarien auch der unbewußte Aspekt einer stimmungsaufhellenden Therapie zugrunde.

  • Beide können bei unsachgemäßem Gebrauch Schaden anrichten!
    Kortisonschäden sind auch der Laienbevölkerung bekannt. Die Schäden durch künstliche wie natürliche UV-Bestrahlung werden noch unterschätzt und verharmlost.
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