Dr. med. Rainer Gollhausen, Hautarzt in Dachau
Adresse: Gröbenrieder Str. 6a, 85221 Dachau


Atopisches Ekzem – Neurodermitis – empfindliche Haut

Bei über 20% der Bevölkerung besteht die genetisch determinierte Anlage zur gesteigerten Empfindlichkeit der Haut und/oder der Schleimhaut (Atopie). Im Falle der Haut kann es zum Ekzem (Neurodermitis), im Falle der Schleimhaut zum allergisch bedingten Schnupfen und/oder Asthma kommen.

Bei einer gesteigerten Empfindlichkeit der Haut ist der Betroffene keineswegs hilflos der Umwelt ausgeliefert. Er bzw. seine Eltern müssen sich allerdings mehr um die Haut kümmern als Hautgesunde und sich bemühen, von den zahlreichen Auslösefaktoren des Ekzems soviele wie möglich zu entfernen.

Die empfindliche Haut muß vermehrt beachtet und gepflegt werden. Streicheln Sie die Haut! Ist die Haut tastbar trocken und rauh, soll sie mit einer angenehmen, rückfettenden Salbe dünn eingecremt werden. Eine tastbar weiche und geschmeidige Haut braucht und soll nicht eingecremt werden (außer als prophylaktischer Schutz bei übermäßiger Belastung durch Sonne, Kälte, hautaggressive Substanzen).

Die Haut ist ein wichtiges Kommunikationsorgan. Gerade die empfindliche Haut braucht den Körperkontakt. Ekzemkranke Kinder sollten viel Hautkontakt mit ihren Eltern und Geschwistern haben. Das oft notwendige Eincremen soll als Wohltat und nicht als lästige Pflicht oder Krankheitsmakel von Kind und Eltern aufgefaßt werden.

Die empfindliche Haut reagiert vermehrt auf Austrocknung!
Übermäßige Waschprozeduren und Naßarbeiten sollten möglichst vermieden werden. Als Reinigungsmittel sind milde (Baby-)Stückseifen Flüssigseifen wie Duschgelen oder Schaumbädern vorzuziehen. Spannt die Haut nach dem Waschen, wurde sie zu sehr ausgetrocknet. Besser als nachträgliches Rückfetten ist bewußtes Waschen!

Niedrige relative Luftfeuchtigkeit trocknet die Haut aus, weshalb es v.a. im Herbst und Winter in überhitzten Räumen zur Ekzemverschlechterung kommt. Zu hohe Luftfeuchtigkeit fördert wiederum das Wachstum von Hausstaubmilben sowie Schweiß- und Wärmestau.

Nüsse, Soja, Milch, Fisch und Eier sind die häufigsten Nahrungsmittelallergene. Sie sind aber seltener ursächlich oder verschlimmernd für das Ekzem als allgemein angenommen. Wichtiger als obskure Diäten, die oft zu allgemeinem Familienstress und/oder körperlichen Mangelerscheinungen führen können, ist eine ausgewogene, vollwertige Ernährung mit viel Getränken, Gemüse und Obst, ohne Übermaß an leicht aufschließbaren Kohlehydraten wie Zucker (Apfelsaftschorle, gesüßter Tee!), weißem Mehl oder Alkohol, an scharfen Gewürzen, fettem und vielem Fleisch, Zuckerersatz-, Konservierungs- und anderen Zusatzstoffen. Wasser, kohlensäure- und kochsalzarmes Mineralwasser und ungesüßter, nichtparfümierter Tee sollten viel getrunken werden (Gesamttrinkmenge beim Erwachsenen 2 l pro Tag). Obstsäuren, also v.a. Orangen-, Multivitamin- und Apfelsäfte – auch verdünnt –, Tomaten, Ananas, Rhabarber, Spinat, Erdbeeren, Ketchup, Kakaogetränke, Nougat, Marzipan, Schoko-Nuß-Cremes, Schokolade etc. können v.a. im Ekzemstadium die Haut empfindlicher machen. Obst ist viel empfehlenswerter als Obstsäfte. Bei Verdacht auf Lebensmittelallergie/-unverträglichkeit empfehlen sich wiederholte Auslaß- und Provokationsteste. Die eigene Beobachtung ist ein entscheidender Faktor in der Allergiediagnostik.

Die Kleidung sollte leicht, weich (beim Kauf befühlen!), atmungsaktiv und frei von irritativen Rückständen (Appreturen, Farbstoffen, Pestiziden etc.) sein. Die Wäsche sollte häufig und von links zum Entfernen von Fett-, Schuppen- und Staubresten gewaschen werden mit ausreichend, aber wenig Waschmittel (individuelle Verträglichkeiten!). Statt Weichspüler kann bei nicht genügend weicher Wäsche ein knapper Eßlöffel Weinessig ins letzte Spülwasser gegeben werden.

Wärme (z.B. Wasser, Luft, Bekleidung, Aufregung, Bett) und Schweiß fördern den Juckreiz. Vermeiden Sie Wärme- und Schweißstau!

Dickes Eincremen fördert Wärme- und Schweißstau. Viel angenehmer ist es, möglichst dünn und ohne festes Reiben die Salbe auf der Haut zu verteilen, etwaige Cremereste abzuwischen, nicht sofort nach dem Eincremen sich einzukleiden und/oder ins Bett zu gehen!

Typisch für die Entstehung des atopischen Ekzem ist der Juckreiz. Häufig führt erst das dadurch bedingte Kratzen zum Ekzem. Die so beanspruchte Haut wird wieder empfindlicher, ein Teufelskreis Juckreiz-Kratzen-Ekzem-Juckreiz etc. entsteht. Es ist deshalb wichtig zu wissen, wie man sich ablenken und entspannen kann, wenn der Juckreiz die Haut überfällt. Hier helfen entspannende Verfahren, Stressabbau, auch Ablenkung des Kratzreflexes auf Kratzhölzchen (selber herstellen, Waschlederbezug auf rundes Holz), Puppe und/oder andere Objekte als die Haut!

Zur Stärkung des Vegetativums und des Selbstbewußtseins sollten je nach eigenem Wollen und Belastungsfähigkeit Sport und Spiel ausgeübt werden. Auch Sauna kann verträglich sein. Viel frische Luft und mildes Reizklima sind günstig. Ein drei- bis vierwöchiger Urlaub am Meer oder im Gebirge beruhigt oft die Haut.

Ekzem-Cartoon"Kocht der Ekzemtopf über", verstärkt er sich selber, ein Kreislauf entsteht, der unterbrochen werden muss. Auch nach Abklingen des akuten Ekzemschubs braucht die Haut lange zum "Abkühlen". Viel Pflege und Entspannung sind nötig, damit ein erneutes Überkochen verhindert wird.

Bei Neigung zur Atopie ist das Allergierisiko erhöht. Deshalb sollten im Rahmen des Möglichen potentielle Allergene gänzlich gemieden bzw. zu intensiver Kontakt damit vermieden werden:
Hausstaubmilben müssen an starker Vermehrung gehindert werden. Bei der Anschaffung von Haustieren (v.a. Katzen und Nagetiere wie Meerschweinchen, Hamster, Ratten, Mäuse, Hasen) bzw. beim Reitsport ist die erhöhte Gefahr einer künftigen Sensibilisierung und deren Folgen (evtl. ist eine Trennung vom liebgewonnen Haustier nötig und führt seinerseits zur Ekzem/Asthma-Verschlimmerung) zu bedenken.

Die der Modeschmuck-Unverträglichkeit zugrunde liegende Nickelallergie findet sich häufiger bei empfindlicher Haut. Ihr Auftreten wird stark gefördert durch den Ohrlochstich, v.a. wenn dieser vor der Pubertät erfolgt!

Weitere Beispiele für (Pseudo-)Allergene sind Pflanzen, viele Natur-, Duft-, Farbstoffe, Fremdeiweiße.
Rauchen (aktiv wie passiv) ist der bedeutendste Risikofaktor für das Auftreten von atopischen und/oder allergischen Erkrankungen! Andere irritative Faktoren wie Putzmittel, Chlorwasser, Luftverschmutzung, mechanische Belastung durch rauhe Wäsche und/oder Kratzen, Luftabschluß, Stress im weitesten Sinn etc. können neben der direkten Hautreizung zum leichteren Angehen von Allergien führen.

Hauterkrankungen stehen an der Spitze der Berufserkrankungen. Deshalb sollten Personen mit empfindlicher Haut bzw. Atopie bei ihrer Berufswahl und -ausübung vermehrt auf Haut, Schleimhaut und Sensibilisierungsneigung achten!

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