Dr. med. Rainer Gollhausen, Hautarzt in Dachau
Adresse: Gröbenrieder Str. 6a, 85221 Dachau


Allergologie – Allergischer Schnupfen oder Heuschnupfen

Weit über ein Fünftel der Bevölkerung besitzt eine angeborene Veranlagung zur vermehrten Empfindlichkeit von Haut und/oder Schleimhäuten an Augen, Atemwegen etc. Bevorzugt bei diesen Personen ist es möglich, dass sie sich auf bestimmte harmlose Naturbestandteile wie Pollen, Haare von Haustieren, Bienen- und Wespengift, Hausstaubmilben etc. sensibilisieren, d.h. diese werden für sie zu Allergenen. Auf Grund einer Soforttyp-Allergie kommt es zum Juckreiz der Schleimhäute an Augen, Nase, Mund, zum Augentränen, Niesreiz, Nasenlaufen, Engegefühl der Atemwege bis hin zum Asthma und Fieber, manchmal auch zur Nesselsucht, zur Ekzemverschlechterung und anderes mehr. Wenn Pollen die Ursachen sind, werden diese Symptome unter den Namen Heuschnupfen, Heufieber, allergischer Schnupfen oder Pollinosis zusammengefasst.

Umweltgifte, insbesondere Zigarettenrauch und Auto-/Flugzeugabgase fördern zwar die Zunahme von Allergien, doch allergisch werden wir i.d.R. auf harmlose Naturbestandteile.

Dabei ist man nicht von vornherein auf alles gleichzeitig allergisch, sondern eine Allergie entwickelt sich und meist nur auf einzelne Stoffe. Zeitpunkt und Auslöseort der Beschwerden geben entscheidende Hinweise auf die mögliche Ursache von Allergien. Mit dem Wissen, wann die verschiedenen Pollen fliegen (Pollenflugkalender), und der Angabe der Monate, in denen der Betroffene im Freien Schnupfen bekommt, kann der Kundige leicht auf die jeweiligen Auslöser rückschließen. Frühblühende Bäume wie Hasel und Erle lassen bereits bei den ersten warmen Sonnenstrahlen im Jahr, also schon im Januar, Millionen von winzigen Pollenkörnern frei.

Andere Pflanzen folgen, erst weitere Bäume und Sträucher, im April dann die Birke, ab Mai Gräser und Kräuter. Heufieberauslösende Pollen müssen bestimmte Voraussetzungen haben: es müssen viele davon vorkommen, sie müssen klein genug, ca. 20-40 µm sein, um tief in die Atemwege gelangen zu können etc. So gut wie immer stammen sie von windbestäubten Pflanzen, deren Blüten relativ unscheinbar sind. Windbestäuber brauchen nicht die schönen Farben der Insektenbestäuber wie Apfelbaum oder Rose, bei denen Insekten von den weithin leuchtenden Blüten angelockt werden und die Pollen weitertragen.

Heufiebererregende Pflanzen setzen bei trockenem Wetter Milliarden von Pollen frei, die Hunderte von Kilometern geweht und von jedem von uns eingeatmet werden können. Pro Quadratzentimeter (!) fallen in Deutschland nach einer Schätzung ca. 27.000 Pollen im Jahr nieder, auf sensibilisierten Schleimhäuten reichen 5-50 haftende Pollen insgesamt zur Auslösung von Beschwerden. Ein Tagebuch mit Aufzeichnung der Beschwerden, Kenntnis über die ungefähren Blühzeiten und die Pollenansagedienste von Radio, Telekom, TV und Zeitungen helfen bei der Heuschnupfenabklärung. Im Einzelfall gibt es natürlich Fallstricke, so lösen z.B. Pollen aus getrockneten Blüten, die zur Zierde im Schlafzimmer stehen, zu ganz untypischen Jahreszeiten allergische Symptome aus.

Der allergische Schnupfen sollte schon bei den ersten Beschwerden behandelt werden, um eine weitere Ausdehnung zu verhindern. Eine Ausweitung auf andere Organe, z.B. von der allergischen Bindehautentzündung zum allergischen Asthma (sog. Etagenwechsel) ist möglich. Verwandte Allergene kommen hinzu. Dies ist möglich innerhalb der Pollengruppe, also z.B. bei der Hasel andere Baumpollen wie Erle, Esche, Eiche, Birke. Da die Pollenallergene in den Früchten der Bäume vorkommen können, entwickelt sich oft eine Nahrungsmittelallergie: So vertragen häufig Baumpollenallergiker keine Nüsse oder Stein- und Kernobst wie Zwetschgen, Pfirsiche, Nektarinen, Äpfel etc.; verwandte Allergene sind dann auch in Karotte, Kiwi oder Curry. Zunehmend mehr Nahrungsmittel können allergische Symptome verursachen wie Juckreiz im Mund, Kloßgefühl im Hals, Asthma, Nesselsucht bis hin zum Schock. Ist die Schleimhaut geschädigt, die Veranlagung vorhanden und der Kontakt gegeben, so können Allergien auf völlig andere Allergene, z.B. auf fremde Pollengruppen, Schimmelpilze, Hausstaubmilben oder Haustiere dazukommen. Aus diesem Grund rate ich Patienten mit allergischem Schnupfen zum Verzicht auf Haustiere.

Glücklicherweise muß es nicht zu einer Ausdehung kommen. Manchmal verschwinden die allergischen Beschwerden von alleine, und nur Hauttestergebnisse zeugen von der latenten Reaktionsbereitschaft.

Verschiedene Untersuchungen weisen darauf hin, daß Umweltverschmutzungen wie Zigarettenrauch, Auto- oder Industrieabgase die Pollen aggressiver und/oder die Schleimhäute empfindlicher machen können. Rauchen erhöht stark das Allergierisiko!

An oberster Stelle in der Allergiebehandlung steht die Allergenmeidung. Aus oben angeführten Gründen ist dies bei Blütenpollen nur bedingt möglich. Teilweise kann man allerdings durch sein Verhalten die Allergenkonzentration reduzieren. Dauernde Kipplüftung der Schlafzimmer sollte unterlassen werden, Stoßlüftung bevorzugt während oder unmittelbar nach dem Regen oder in den frühen Morgenstunden erfolgen. Die Kleider sollten im Bad bleiben, die Haare öfter gewaschen werden, über dem Bett tagsüber eine leichte Abdeckung liegen. Assoziierte Nahrungsmittelallergene sind zu meiden.

Medikamente sollten nach Möglichkeit schon kurz vor dem Allergenkontakt genommen werden, also bei Gräserpollenallergie vor dem Ausflug ins Freie, bei Katzenallergie vor dem Zirkusbesuch!

Wird frühzeitig behandelt, kann zwar nicht die angeborene Anlage zur überempfindlichen Reaktion von Haut bzw. Schleimhaut geändert werden, doch wird die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Ausdehnung entscheidend zurückgedrängt.

Eine frühzeitig und richtig angesetzte Spritzenbehandlung (Hyposensibilisierung) verhindert am ehesten die Entwicklung von Allergenausweitung wie Etagenwechsel (Asthmaentstehung) und kann sogar zusätzlich die spezifische Überempfindlichkeit auf das Allergen in ihrer klinischen Ausprägung rückgängig machen. Diese wird außerhalb der Pollenflugzeit begonnen, also i.d.R. im Herbst. Am erfolgreichsten ist die Hyposensibilisierung, wenn sie innerhalb der ersten 5 Jahre der Pollinosis angefangen wird und wenn nicht allzu unterschiedliche Sensibilisierungen vorliegen.

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