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Heuschnupfen

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf steigt die Zahl der Heuschnupfen-Betroffenen stetig. Und keiner von ihnen sollte die Krankheit auf die leichte Schulter nehmen: Rund 40 Prozent der Heuschnupfen-Patienten bekommen innerhalb von acht Jahren Asthma. Doch die Allergologen machen auch Mut, denn die Medikamente gegen den Heuschnupfen sind in den vergangenen Jahren verbessert worden.

Ist der Heuschnupfen akut, helfen meist Nasensprays, Tabletten und Augentropfen um die Symptome zu lindern. Auch diese Mittel sind laut Deutscher Haut- und Allergiehilfe im Vergleich zu früher besser geworden und haben nach Ansicht von Experten kaum Nebenwirkungen. Daneben steht in bestimmten Fällen auch die Behandlungsmethode der Hyposensibilisierung zur Verfügung.

Um für die neue Heuschnupfensaison gewappnet zu sein, sollten sich Betroffene einen Pollenflugkalender besorgen oder die entsprechenden Vorhersagen in den Medien verfolgen. Nach dem Beginn der Erlen- und Haselblüte folgen als nächstes Weide, Pappel und Ulme. Und erst im Herbst sind auch Gräser und Roggen verblüht. Zu schaffen machen den Allergikern vor allem windbestäubende Pflanzen wie Bäume, Kräuter und Gräser. Ihre Pollen sind leicht und trocken: Der Wind kann sie tausende Meter hoch und hunderte Kilometer weit tragen. So tauchen Pollen von Getreidefeldern auch mitten in der Großstadt auf. Da die Verbreitung durch den Wind weniger gezielt und nicht so sicher wie etwa durch Insekten ist, erzeugen diese Pflanzen riesige Pollenmengen. So produziert eine einzige Roggenpflanze etwa 21 Millionen Pollen – bei manchen Allergikern reichen bereits fünf Pollen, um eine Allergie auszulösen.

Praktische Tipps für den Pollen-Allergiker
(siehe auch "Frühjahr ist Gartenzeit - auch für den Pollenallergiker?")

  • Zur Planung von Freizeitaktivitäten Pollenflug-Vorhersage beachten. Bundesweite Informations-Hotline für Bayern 0190 / 11 54 94 oder per Internet (z.B. http://www.g-netz.de/Health_Center/Pollenflug-Info/00034.shtml
  • Pollen haften an Kleidung und Haaren. Regelmäßig abends die Haare waschen, Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ablegen und Wäsche nicht im Freien zum Trocknen aufhängen.
  • In ländlichen Gegenden ist der Pollenflug meist in den frühen Morgenstunden am intensivsten, in der Stadt erst am späteren Nachmittag und gegen Abend. Zu diesen Zeiten möglichst in geschlossenen Räumen aufhalten und Fenster nicht öffnen, beim Autofahren Lüftungsklappen geschlossen halten. Aufenthalte und Aktivitäten im Freien möglichst einschränken – besonders das Rasenmähen.
  • An heißen, trockenen Tagen wird der Pollenstaub kilometerweit durch die Luft gertragen. Günstig für einen Aufenthalt im Freien ist die Zeit nach einem Regenguß, er schwemmt die Pollen aus der Luft.
  • Wer die allergischen Symptome besonders an den Augen verspürt, sollte nur mit Brille, am besten solche, die auch an der Seite möglichst verbreitert sind, nach draussen. Das hält schon mal einen großen Teil der Pollen ab.
  • Urlaub pollengerecht planen. Während in Deutschland die meisten Gräser im Juni und Juli blühen, ist z.B. in Spanien die Pollensaison fast überall schon vorbei. Hochgebirge, Meer oder Wüstenregionen sind zwar nicht gänzlich pollenfrei aber wesentlich weniger belastet.
  • Heuschnupfen-Patienten sollten das Rauchen einschränken. Ständige Reizung der Atemwege durch den heißen Zigarettenrauch erleichtert den Pollen den Angriff auf die Schleimhäute.

Service-Nummern zum Pollenflug (gebührenpflichtig):

  • Bundesweit: 0190 /11 54 80
  • Baden-Württemberg: 0190 / 11 54 93
  • Bayern: 0190 / 11 54 94
  • Berlin/Brandenburg: 0190 / 11 54 87
  • Hamburg: 0190 / 11 54 82
  • Hessen: 0190 / 11 54 86
  • Mecklenburg-Vorpommern: 0190 / 11 54 84
  • Niedersachsen/Bremen: 0190 / 11 54 83
  • Nordrhein-Westfalen: 0190 / 11 54 85
  • Rheinland-Pfalz: 0190 / 11 54 92
  • Saarland: 0190 / 11 54 91
  • Sachsen: 0190 / 11 54 90
  • Sachsen-Anhalt: 0190 / 11 54 88
  • Schleswig-Holstein: 0190 / 11 54 81
  • Thüringen: 0190 / 11 54 89

Hyposensibilisierung

Ein drei- bis fünfjähriges Impfprogramm, die sogenannte Hyposensibilisierung, soll den Körper in die Lage versetzen, von selbst die allergische Reaktion zu reduzieren. Sowohl Menschen, die in diesem Jahr zum ersten Mal ein Kribbeln in der Nase spüren, als auch denen, die schon mehrere Jahre mit Sprays und Tropfen herumexperimentieren, empfiehlt die Deutsche Haut- und Allergiehilfe in Bonn einen Besuch beim Facharzt. Nur der kann gezielt die Pollenart bestimmen, auf die Betroffene reagieren und dann eine spezifische Hyposensibilisierung durchführen.

Die beginnt etwa im Oktober, nach dem Ende der Heuschnupfensaison. Dazu bekommt der Patient eine mit der Zeit steigende Dosis des reizauslösenden Pollenextraktes gespritzt. Dadurch soll das Immunsystem zur Produktion von Abwehrstoffen angeregt werden. Die Anwendung wird über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren jeweils im Herbst und Winter wiederholt. Am Anfang werden die Spritzen wöchentlich verabreicht. Bis zu 90 Prozent der Patienten können so langfristig vom Heuschnupfen befreit werden. Die Hyposensibilisierung ist aber nur gegen maximal 4 Allergene gleichzeitig möglich. Als weitere Einschränkung werden genannt: der Patient sollte möglichst nicht älter als 50 Jahre und noch nicht länger als 5 Jahre erkrankt sein.


Gartenzeit - auch für den Pollenallergiker?

Im Frühjahr und Sommer verkriecht sich so mancher im Zimmer, während andere im Garten arbeiten oder gar feiern. Heuschnupfen macht den Aufenthalt im Freien zur Qual. Doch die unfreiwillige Isolation lässt sich durchbrechen. Im eigenen Garten kann eine Oase aus nicht-reizenden Pflanzen entstehen, die es auch Pollenallergikern erlaubt, Gartenfreuden ohne heftige Niesattacken zu erleben.

Vorab ist es aber wichtig zu wissen, auf was genau man allergisch reagiert. Denn die Pflanze, die den einen zum Niesen reizt, lässt den anderen gänzlich unberührt. Und nicht immer sind die Pollen schuld, wenn es in der Nase kribbelt. Auch der Hausstaub, beim Frühjahrsputz aufgewirbelt, kann allergische Reaktionen auslösen. Wer die Verursacher kennt, sollte zudem so genannte Kreuzallergien klären. So ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass derjenige, den Birken- und Haselnuss-Pollen quälen, auch Kern- und Steinobst oder Kiwis nicht verträgt – diese sollten dann also auch nicht in den Garten gepflanzt werden. Wer keine Medikamente oder Kosmetika mit Kamille verträgt, hantiert wiederum besser nicht selbst mit Gartenchrysanthemen, Astern oder Sonnenblumen.

Relativ leicht lassen sich Kontaktallergien umgehen, die durch das Berühren der entsprechenden Pflanzen ausgelöst werden. Am besten stellt man unempfindliche Familienmitglieder an, um Astern zu schneiden, Chrysanthemen zu teilen oder Tulpenzwiebeln zu setzen, wenn man selbst sensibilisiert ist. Den Betroffenen selbst schützen Handschuhe und vielleicht auch langärmelige Hemden und Hosen vor dem Kontakt mit den kritischen Pflanzen. Gründliches Händewaschen nach der Gartenarbeit sollte nicht nur für Allergiker selbstverständlich sein.

Schwerer als die Kontaktallergiker entkommen die Pollenallergiker den reizenden Stoffen. Oft trägt der Wind die Pollen aus weiter Entfernung heran. Wie stark die Luft mit Pollen gesättigt ist, hängt vom Wetter ab. An trocken-windigen Tagen stäuben Hasel, Birke und Gräser besonders heftig. Dafür ist die Luft nach längerem Regen frisch gesäubert.

Im eigenen Garten sollte man Pollenspender, auf die man allergisch reagiert, vermeiden. Langweilig wird der Garten dadurch trotzdem nicht. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Pflanzenspektrum, der auf den eigenen Körper irritierend wirkt. Die meisten schmückenden Blumen tragen Blütenstaub, der von Insekten übertragen wird. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind es jedoch die vom Wind verbreiteten Pollen, die dem Allergiker zu Schaffen machen.

Wer Fliederpollen nicht verträgt, kann auf Forsythien, duftenden Pfeifenstrauch oder Weigelien ausweichen. Muss man bei blühenden Gräsern niesen, bietet kurz geschorener Rasen eine Alternative. Löst schon das Mähen das berühmte Kribbeln aus, dann ersetzt eine Staudenpflanzung den Rasen, und der Liegestuhl steht nicht im Gras, sondern auf einem gepflasterten Platz zwischen den Blumen. An Stelle der Ligusterhecke kann ein Holzzaun Sichtschutz bieten, den Clematis, Passionsblumen, Kletterhortensien oder Kletterrosen lebendig machen. Bereiten Sommermargeriten Schwierigkeiten, bieten sich Rittersporn, Mohn, Akelei, Pfingstrosen und Taglilien an. Meist reicht es sogar, wenn Allergiker auf Sorten der kritischen Arten ausweichen, die gefüllte Blüten besitzen. Denn bei ihnen sind die Staubgefäße in Blütenblätter umgewandelt. Und wo es keine Staubgefäße mehr gibt, können auch keine Pollen fliegen. So kann sogar die Lieblingspflanze, die man schweren Herzens verbannen musste, wieder in den heimischen Garten zurückkehren.